Der Anfang ist nah.

FreundInnen, WeggefährtInnen, am 22. August habe ich die Entscheidung getroffen, zum 3. September eine Stelle in Chemnitz anzutreten. Bei einem Verein, der mit einem Theater- und Kulturfestival die Komplexität der Welt wieder sichtbar werden lassen will; der neben die Erzählung vom vermeintlichen Kampf der Kulturen die tausend anderen Geschichten stellen will, die es in dieser Stadt und überall sonst genauso gibt. Zwischen diesen beiden Tagen hat Chemnitz seine eigene Geschichte geschrieben. Ist zum Symbol und Synonym dafür geworden, was uns droht, wenn eine Gesellschaft oder zumindest ein Teil…

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Traumsequenzen.

Weißer Rauch vor rotbrüchiger Dunkelheit, exzessive Gesichter, Musik. Vertraute Augen unter grauschwarzem Kapuzenrand. Erste Worte wie neugierige Gehversuche, dann ein Anlaufnehmen, bis, kurz vom Abheben: Das Eis, das Eis zwischen uns, das Eis, auf dem wir stehen, bricht. Ein Aufbruch ins Ungewisse. Finsternis im gelbwarmem Kerzenlicht. Aufgewühlter Erdboden und leuchtende Köpfe und dazwischen: Füße, die tragen sollen. Leise Musik und laute Gedanken unter schwerblauem Sternenhimmel. Blicke in die unendliche Dunkelheit; tragen, wohin? Ein Menschenkörper geht, taucht ab ins flüssige Nichts und bleibt. Nervöses Scharren von nackten Füßen auf…

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Hingabe0815

Sommer im Zenit. Schnitzeljagd. Wald, Straße, Wald, Spielplatz, dann, mit geschlossenen Lidern, fast Tempelhofweite. Feierabendweichkäse, -brot, -ingwerlimo. Hauptsache Oliven. Viel zu lange nicht. Altbautürklinke 1, 2 und 3. Zwei Zimmer, Küche, Bad und kein kleiner Balkon. Basilikum am Fenster und PostIts an der Wand. Büchertürme unter Flügelfenstern. Faserland, Jahre zu spät, genau richtig. Stadtflanieren, folgen Sie mir unauffällig. Lesen lernen; sehen lernen durch die Linse. Gießerbrücke, Hausbesetzerpoesie, hohe Hallen in Rostrot. Spinnerei bis die Füße nicht mehr tragen und der Kopf sich verliert. Heimkehren, zitternd.   Winterdämmerung. Rollkofferrollen…

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Keine Angst, keine Bohème

Nach meinem Studienende im Januar ließ das schwarze Loch im Februar nicht lange auf sich warten. Bei meinen Eltern fiel mir schon nach ein paar Tagen die Decke auf den Kopf, und ich wartete ungeduldig auf den März, mit dem das begann, was Alltag für mich am nächsten kommt: Ein voller Terminkalender. Von einer Diskussion bei München und meiner Graduierungsfeier in Friedrichshafen zog ich weiter nach Paris. Erst im Zug machte sich neben der Vorfreude auch ein bisschen Erschöpfung bemerkbar: Statt ein paar Tagen Ruhe also wieder Großstadtgewimmel.…

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Was ist eigentlich Kritik, Hans Magnus Enzensberger? Ein Streitgespräch übers Streiten

Das Wort „Utopie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „Nicht-Ort“. Wikipedia sagt: Eine Utopie ist der Entwurf einer fiktiven Gesellschaftsordnung, die nicht an zeitgenössische historisch-kulturelle Rahmenbedingungen gebunden ist. Ob sich ihre Befürchtungen oder Hoffnungen trotz oder wegen ihrer Thematisierung bewahrheitet haben oder nicht, bleibt im Rückblick immer Spekulation, doch schon der Entwurf erfordert Mut: Wer Utopien denkt, der denkt Alternativen, und wer das laut tut, der übt Kritik. Und als einer, der Utopien denkt und ihnen nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Leben einen Raum…

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Gefährliche Geduld

Das Niemandsland beginnt kurz hinter der jüdischen Siedlung Har Adar und dem palästinensischen Dorf Qatanna, wenige Kilometer im Nordwesten von Jerusalem. Die „Green Line“, die nach dem Waffenstillstand mit Jordanien 1949 die Außengrenze Israels war und seit dem Ende des Sechstagekriegs 1967 die Grenze zwischen Israel und den besetzten Gebieten markiert, spaltet sich hier in zwei Demarkationslinien, die einen schmalen Streifen Land einschließen. 1949 hatten Israel und Jordanien sich darauf geeinigt, dass diese Fläche von nicht einmal 46 km² Niemandsland bleiben sollte, und auch nach 1967 hat Israel…

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